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Erster Gerichtsprozeß um Cheat-Vorwürfe
Abgelegt im Kapitel Uncategorized
Wohl zum ersten Mal in der Geschichte der Computerspiele wird derzeit vor dem Amtsgericht Köln ein Rechtsstreit um Schummel-Vorwürfe ausgetragen. Ein “Counter-Strike”-Clan klagt gegen eine zweijährige Sperre in der wichtigsten Liga, nachdem die Ausrichter aufgrund von Indizien entschieden, daß einer ihrer Spieler bei einer Austragung eine Cheat-Software verwendet habe.
Im November 2007 spielten die Clans coldgame und dangerous Regeneration gegeneinander “Counter-Strike”, im Rahmen der ESL, der Europaliga für Computerspieler. Nach der Austragung äußerte dangerous Regeneration den Verdacht, daß der gegnerische Clan geschummelt hätte.
Da in Onlinespielen gern gemogelt wird, müssen in Liga-Spielen alle Teilnehmer den Ablauf aufzeichnen und die Daten zur Verfügung stellen. “Counter-Strike” bietet dazu eine entsprechende Funktion. Die ESL analysierte die Aufzeichnungen und kam zu dem Entschluß, daß der coldgame-Spieler Thomas ‘XektoR’ Koletzek eine Cheat-Software verwendet hätte. Der Spieler wurde für zwei Jahre in der ESL gesperrt; für seinen Clan bedeutet die Strafe das Aus für die Qualifikation für die ESL Pro Series. Hinzu kommt der Gesichtsverlust.
Mit einer einstweiligen Verfügung will der Clan coldgame nun erreichen, daß die Entscheidung rückgängig gemacht wird. Sie wurde gestern, am 10. Januar 2008, vor Gericht behandelt – allerdings nur sehr kurz, denn die ESL-Seite übergab der Richterin eine umfangreiche Antragserwiderung. Um sie zu studieren, wurde die Verhandlung auf den 22. Januar vertagt.

Die beliebtesten Schummelhilfen bei Ego-Shootern wie “Counter-Strike” sind Zielhilfen (“Aimbots”), das Ausblenden von Wänden, um dahinterstehende Gegner zu erkennen (“Wallhack”) und das Hervorheben von Gegnern hinter Wänden durch farbige Boxen (“ESP”). Weil die Beweis-Demos nur die Bewegungen der Spielfigur aufzeichnen und nicht die tatsächliche, eventuell durch Schummelprogramme manipulierte Sicht des Spielers zeigen, kann ein Cheater in der Regel nur durch Indizien überführt werden. Eine typische Methode ist es, die Demo ebenfalls mit installierter Schummelsoftware abzuspielen und zu erahnen, ob der Spieler so agiert, als ob er über Informationen verfügt, die er ohne Cheats nicht gehabt hätte.Um Schummeleien besser erkennen zu können, muß bei ESL-Spielen die Anti-Cheat-Software Aequitas verwendet werden. Sie sammelt während der Austragung Daten, kann eine Reihe von Schummelprogrammen erkennen und erstellt regelmäßig Screenshots, deren Auswertung das Verwenden von Wallhacks aufspüren kann. Im fraglichen Fall soll die Auswertung der Aequitas-Daten aber keinen eindeutigen Beleg für Schummeleien ergeben haben.
Weiterführende Links:
- Meldung von readmore.de
- Interview mit dem unter Cheatverdacht stehenden Clan coldgame
- Interview mit der verklagten Electronic Sports League ESL
- Demo des fraglichen Matches zum Download, benötigt Counter-Strike 1.6
Lexikon, um die Texte zu verstehen:
- 1on1 = Duell, ein Spieler gegen einen anderen
- AC = Anti-Cheat-Team, analysiert Aufzeichnungen von Austragungen
- Aequitas = Anti-Cheat-Software der ESL
- Aimbot = Cheatsoftware, die automatisch auf den Gegner schießt
- CT = Counter-Terrorist, eine der beiden Parteien in Counter-Strike
- EPS = ESL Pro Series, die Profi-Liga der ESL
- ESB = Deutscher eSport-Bund
- ESP = Cheatsoftware, die u.a. durch farbige Boxen den Gegner zeigt, auch durch Wände hindurch
- ESL = Electronic Sports League, die Europa-Liga der Onlinespieler
- Ladder = Rangliste
- TE = Turtle Entertainment, der Ausrichter der ESL
- Wallhack (WH) = Cheatsoftware, die durch Wände schauen läßt
